Wie du loslassen lernst – 7 hilfreiche Übungen

Es kann verdammt schwer sein, manche Menschen und Situationen loszulassen, selbst wenn wir wissen, dass sie uns nicht gut tun.

So oft werden wir im Leben mit dem Loslassen konfrontiert, im Großen so wie im Kleinen. Und doch wird es nie einfacher, gerade wenn uns die Menschen, die es betrifft, viel bedeuten.

In so einer Situation befand ich  mich.

Denn ich musste loslassen…

Im heutigen Artikel erzähle ich dir also meine Geschichte über das Loslassen und biete dir 7 hilfreiche Übungen, wie du das loslassen lernst bzw. Übungen die dir dabei helfen, ungesunde Beziehungen und Menschen loszulassen.

Manche Menschen sind dazu bestimmt in deinem Herzen zu bleiben, aber nicht in deinem Leben. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)
Manche Menschen sind dazu bestimmt in deinem Herzen zu bleiben, aber nicht in deinem Leben. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)

Warum ich loslassen musste

Als meine Oma Ende 2021 starb, ließ ich eine Person aus meiner Familie wieder in mein Leben, die ich zuvor aus selbigem verbannt hatte. Ich hatte den Kontakt zu besagter Person schon vor längerem abgebrochen, weil mir die Person nicht gut tat und unsere Beziehung toxisch war. Immer wieder war er gemein zu mir. Immer wieder wurde ich von ihm verletzt.

Nun hatten wir, als meine Oma starb, einige Dinge zusammen zu klären, so dass wir zwangsläufig wieder miteinander in Kontakt kamen und miteinander sprachen. Und auf einmal war es möglich, dass er auch nett mit mir umgehen konnte und aus Gesprächen über organisatorisches längere Gespräche über unsere persönlichen Belange wurden.

Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu viel in die Beziehung rein zu stecken und keine all zu großen Erwartungen zu haben. Ich nahm mir vor vorsichtig zu sein, um nicht wieder verletzt zu werden. Und doch ließ ich ihn nach und nach wieder richtig in mein Leben und in mein Herz.

Leider sollte sich herausstellen, dass es ihm nur um persönliche Vorteile ging (auf die ich jetzt hier im Detail nicht eingehen möchte) und er nicht wirklich an einer engeren Beziehung interessiert war. Sobald er hatte, was er wollte flachte der Kontakt ab und erlosch.

Als ich Klarheit in unsere Beziehung bringen wollte, konnte er mir nicht mal sagen, ob er eine engere/bessere Beziehung möchte und brachte viele Ausreden hervor, wieso er dafür ja gar keine Kapazität hätte. Gleichzeitig wollte er dann plötzlich wieder einen großen Freundschaftsdienst von mir. Und zeigte mir damit endgültig auf, dass er sich nicht wirklich für mich interessierte, sondern nur dann an Kontakt interessiert ist, wenn er etwas von mir möchte.

Kurzum: ich wurde erneut verletzt und zurück gestoßen. 

Ich möchte echt Beziehungen und keine falschen

Und ich habe für mich entschieden, dass so nicht mehr mit zu machen. Ich brauche und möchte vor allem, keine Beziehung, bei der man sich vielleicht 3 x im Jahr zu Weihnachten und den Geburtstagen hört, aber man sonst kein Interesse aneinander hat und sich auch in Krisenzeiten nicht unterstützt. Ja nicht mal einen normalen freundschaftlichen Kontakt pflegen kann.

Manchmal musst du aufhören für Menschen Ozeane zu überqueren, die für dich nicht mal über eine Pfütze springen würden. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)
Manchmal musst du aufhören für Menschen Ozeane zu überqueren, die für dich nicht mal über eine Pfütze springen würden. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)

Aber es schmerzt, dieses enge Familienmitglied loslassen zu müssen.

Solange, mein Leben lang schon, habe ich versucht, um eine bessere Beziehung zu kämpfen. Solange hatte ich Hoffnung, dass wir es vielleicht doch noch hinbekommen.

Aber ich muss einfach einsehen, dass es nicht reicht, wenn sich nur einer bemüht. Dass es nicht reicht, wenn einer gerne eine gute Beziehung möchte, aber der andere nicht bzw. dafür nichts tun möchte. Und leider bin ich dieser anderen Person wohl nicht wichtig genug bzw. setzt sie andere Prioritäten.

Grundsätzlich ist es ja okay, wenn zwei Menschen unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen von einer Beziehung haben. Nur müssen dann beide schauen, ob sie einen Kompromiss finden können, wie es für beide passt oder es kann eben keine Beziehung bestehen bleiben.

Außerdem sollte es natürlich nicht dazu kommen, dass eine Person von der anderen ausgenutzt oder sonst irgendwie schlecht behandelt wird.

Denn besteht in der Beziehung ein Ungleichgewicht zu Ungunsten einer Person (weil sie beispielsweise viel mehr investiert als der andere oder eben nicht respektvoll behandelt wird), ist das nicht gesund. Und die Person muss sich überlegen, ob ihre Bedürfnisse nicht ebenfalls wichtig genug sein sollten.

Ich bin wichtig genug!

Und ich persönlich durfte in meinem Leben lernen, dass ich gut genug und wichtig genug bin und somit meine Bedürfnisse genauso eine Rolle spielen sollten, wie die der anderen Personen. Ich möchte nicht weiter in Beziehungen investieren, in denen ich der anderen Person nicht genauso wichtig bin, wie sie mir. In der nur ich gebe und mich bemühe und die andere Person nicht.

Ich bin wichtig und mein Glück ist genauso wichtig wie das der anderen Person. Und unter dieser Beziehung leidet mein Glück leider. Sie ist eine Beziehung die mir ganz und gar nicht gut tut.

Never let someone elses happiness become more important than yours. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)
Never let someone elses happiness become more important than yours. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)

Die Erkenntnis das man anderen manchmal nicht so viel bedeutet, wie sie einem selbst, ist hart und tut weh. Aber sie ist wichtig, um loszulassen.

Ich habe mich also tagelang mit der Entscheidung gequält, was ich tun soll. Es fühlte sich soooo schwer an, den dünnen Faden zu der anderen Person durchzuschneiden. Dabei war es nicht mal das erste Mal.

Es war dieses mal nur so viel schwerer, weil ich in den „Genuss“ gekommen war zu sehen, wie es sein kann eine Beziehung zu ihm zu haben, bei der er mich nicht ständig schlecht behandelt. Ich hatte einen Einblick bekommen, wie eine gute Beziehung aussehen könnte, wenn es ihm nur wichtig genug wäre.

Leider war es nicht echt… warum also fiel es mir so schwer, loszulassen? Was ließ mich an dieser Person noch festhalten?

Um mir das klar zu machen bediente ich mich einer simplen Übung, die ich dir hiermit vorstellen möchte:

1. Die Gewinn-Verlust-Rechnung

Wenn du  vor der Entscheidung stehst, loszulassen, aber du dir unsicher bist, wie du dich bezüglich einer Beziehung oder Situation entscheiden sollst, mache eine Gewinn-Verlust-Rechnung.

Stelle dir dabei folgende Fragen:

  • Was gewinnst du, wenn du loslässt?
  • Was verlierst du, wenn du loslässt?
  • Was gewinnst du, wenn du NICHT loslässt?
  • Und was verlierst du, wenn du NICHT loslässt?

Das Beantworten der Fragen wird dir aufzeigen, was dir eine Beziehung gibt und was sie dir „nimmt“, also was du durch sie einbüßt. Auch wird es dir aufzeigen, welche Ängste und Sorgen du bezüglich des Loslassens hast.

Diese Fragestellungen kannst du übrigens auch auf Situationen anwenden, die nicht eine konkrete Person betreffen, also zum Beispiel einen Jobwechsel. Auch hier ist ja relevant, was man gewinnt und verliert, wenn man sich für die eine oder andere Option entscheidet.

Mir persönlich hat es sehr geholfen, meine Situation unter diesen Aspekten zu betrachten.

Deshalb möchte ich dir die Beantwortung der Fragen in Bezug auf meine Situation beispielhaft darstellen:

Was gewinnst du, wenn du loslässt?

-Ich werde nicht mehr immer wieder verletzt.

-Ich kriege nicht immer wieder zu spüren, dass ich ihm weniger wichtig bin, als er mir.

-Ich höre auf mir Hoffnungen zu machen.

-Ich bin nicht mehr dieser Anspannung ausgesetzt, wenn wir miteinander interagieren.

-Ich verzichte auf einen Menschen, der mich nicht versteht.

-Wir sind zu verschieden und wären niemals Freunde, wenn wir keine Familie wären. Ich muss mich also nicht mehr mit einem Menschen umgeben, der nicht zu mir passt.

-Ich kann meine Zeit und Energie in Menschen stecken, denen ich auch wichtig bin, anstatt sie in jemanden zu investieren, dem ich nicht so wichtig bin. Ich verliere also nicht noch mehr Energie, Zeit und Geld.

-Er hat sich nicht wie Familie verhalten und war auch nicht für mich da. Ich verliere also nicht wirklich Familie oder jemanden, der für mich da war.

-Wenn ich loslasse, kann ich das Thema verarbeiten und abschließen. Ich bin also nicht mehr ständig mit Schmerz konfrontiert und gewinne damit Glück dazu, weil die Situation mit ihm mich dann nicht mehr belasten kann.

Was verlierst du, wenn du loslässt?

-Eine Art von Beziehung zu ihm, wenn sie auch schlecht war.

-wenn ich loslasse, verliere ich ein Familienmitglied und habe nur noch ein anderes richtiges Familienmitglied. Aber ehrlicherweise war das ja vorher auch schon so.

-Ich bin dann ein Stück weit mehr allein auf dieser Welt. Ich habe dann nicht den Rückhalt einer Familie, die einem helfen könnte, wenn alle Stricke reißen bzw. eine Familie, die für einen da ist. Aber, selbst wenn er in meinem Leben bleibt, habe ich das ja nicht. Ich verliere also nur die Vorstellung davon, dass er mir eventuell beistehen könnte, wie das Familien so tun.

-Die Illusion von Familie.

-Die gemeinsame familiäre Vergangenheit und die damit verbundene Verbundenheit.

-Ich verliere die Hoffnung, dass wir doch nochmal eine gute Beziehung haben werden.

-ich habe Angst, dass es irgendwann zu spät für uns ist und wir unsere Beziehung nie geklärt bekommen – wie das bei meiner Oma und ihrem Bruder der Fall war, welche starben ohne nochmals Kontakt zu haben, nach Jahrzehnten des Kontaktabbruchs.

-> Aber: ich kann nichts verlieren, was nicht existiert. Wenn wir sowieso so gut wie nie Kontakt haben, kann ich also auch nicht den Kontakt/eine Beziehung verlieren, die gar nicht existiert.

Was gewinnst du, wenn du NICHT loslässt?

-oberflächlich gesehen eine Familie – eine Fake-Beziehung, die keine ist.

-nix?

Und was verlierst du, wenn du NICHT loslässt?

-Wenn ich nicht loslasse verliere ich meinen „Stolz“/meine Würde bzw. meine Selbstliebe. Dann behandle ich mich nicht gut und lasse mich weiter von ihm ausnutzen. Ich schätze mich damit selbst nicht wert, wenn ich das weiter zulasse.

-Ich verliere mein Glück. Es belastet mich immer wieder, wenn ich an dieser Beziehung festhalte. Dann warte ich weiter auf Nachrichten von ihm, die nicht kommen oder irgendein Zeichen, dass ich ihm doch vielleicht wichtig sein könnte. Dann bin ich weiterhin immer angespannt, wenn wir Kontakt haben, weil ich immer erwarte, wieder gemein angemacht zu werden.

-Es beeinträchtigt mein Wohlbefinden, wenn ich weiter an ihm festhalte.

-Ich bin ihm nicht wichtig und er hat nur seine Vorteile im Blick bzw. was er von mir  bekommen kann. Wenn ich nicht loslasse, mache ich mich selbst klein und verliere materielles.

-Ich verliere also Zeit, Energie, Wohlbefinden und Geld, wenn ich weiter an dieser Beziehung festhalte.

Mein Fazit aus den Fragestellungen

Wie du siehst sprach in meinem Fall alles dafür, diese für mich ungesunde Beziehung zu beenden. Was ich dann auch getan habe. Nach Tagen, ja eigentlich Wochen, in denen mich das Thema beschäftigte und belastete, war es eine Befreiung, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Es ging mir 1,5 Tage noch so richtig schlecht, so wie bei einem heftigen Liebeskummer (der Trauerprozess zog sich aber eigentlich schon über Wochen, in denen ich das Thema wälzte). Und dann war es okay. Und seitdem bin ich wieder viel mehr in meiner Mitte und viel glücklicher.

Weil ich mich nun wieder auf die Dinge konzentriere, die gut für mich sind. Und vor allem auf die Menschen, denen ich genauso wichtig bin, wie sie mir.

Ich habe für mich auch einfach gemerkt, dass ich diese Klarheit brauchte um das Thema für mich loslassen zu können. Ich kann nicht gut damit leben, wenn Beziehungen unklar sind und unausgesprochene Themen zwischen einem stehen. Ich habe lieber einen klaren Cut, als eine Beziehung, die schon die ganze Zeit auf einem wackeligen Boden steht und bei der eigentlich sowieso klar ist, dass sie nicht weiter bestehen kann.

Abschied tut weh, aber macht auch frei

Natürlich werde ich die Person und alle Gefühle und Erfahrungen an sie nicht einfach auslöschen können. Aber das starke nagende und belastende Gefühl der Ungewissheit ist nun weg. Ich habe eine Entscheidung getroffen und bin für mich eingestanden. Und das ist gut so. Und so fühle ich mich so viel freier, als zuvor.

Sicher wird es immer mal wieder Tage geben, an denen ich traurig an das Geschehene zurück denken werde und die Person vielleicht auch vermissen werde. Aber andererseits ist es auch schwierig jemanden zu vermissen, der einem eigentlich nicht gut tut. Was soll mir da auch fehlen? Und ich hoffe, daran werde ich mich erinnern, wenn es mir deshalb nochmal schlechter gehen sollte.

If someone makes you miserable more than they make you happy it doesnt matter how much you love them. You need to let them go! Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)
If someone makes you miserable more than they make you happy it doesnt matter how much you love them. You need to let them go! Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)

2. Befreie dich von den Illusionen über eine andere Person

Um zu diesen Erkenntnissen zu kommen ist es aber auch wichtig, dass man sich von der Illusion, die man sich über die andere Person gemacht hat, befreit. Immer wieder passiert es, dass wir Menschen auf ein Podest stellen und ihre Fehler ausblenden, weil wir uns so sehr wünschen, dass sie die Person ist, die wir gern in ihr sehen würden.

Um sich also zu desillusionieren, ein stückweit „entlieben“ und loslassen zu können ist es hilfreich, wenn wir versuchen die Person so sachlich wie möglich zu betrachten.

Du weißt wahrscheinlich verdammt gut, was du an ihr magst oder liebst (wenn nicht, schreibe es dir mal auf. Gibt es da überhaupt Punkte, die du magst?), aber wie sieht es mit ihren Fehlern aus? Genauso solltest du dir aufschreiben, was dir die Person in der Beziehung gibt und was nicht. Nimmt sie mehr als sie gibt? Ist sie fürsorglich und freundlich? Oder eher unfreundlich und gemein?

Auch könntest du dich fragen, ob ihr wirklich so gut zusammen passt (ob als Paar, Freundin oder was auch immer), wie du dir das vorgestellt hast? Oder bist du nicht vielleicht eher einer Wunschvorstellung hinterhergejagt? Versuche hier mal zu notieren, wie die Beziehung idealerweise aussehen sollte und wie sie in der Realität aussieht.

Notiere dir, was nicht passt

Schreibe dir hier also ruhig ein paar Punkte auf, die dich an dem anderen stören und wo ihr euch in euren Wünschen und Vorstellungen unterscheidet. Damit verdeutlichst du dir, warum es sinnvoll sein kann, die andere Person loszulassen. Denn je nach Art der Beziehung ist es wichtig, ähnliche Ansichten und Wünsche zu haben (z.B. in einer Partnerschaft) und sich in eine ähnliche Richtung zu bewegen. Aber auch in Freundschaften ist es doch wichtig, das wir uns vom anderen geschätzt fühlen und dass seine Fehler nicht überwiegen bzw. uns nicht schaden.

Bei Familienmitgliedern kann es auch hilfreich sein sich zu überlegen, ob man mit der Person befreundet wäre, wenn sie nicht Familie wäre. Denn mal ehrlich, Blutsverwandtschaft ist kein Grund, wieso man eine Verbindung haben muss. Und sie ist erst Recht kein Grund und auch keine Entschuldigung sich schlecht behandeln zu lassen. Auch und gerade bei Familienmitgliedern muss man etwas für die Beziehung tun, um sie zu erhalten.

Wenn du die Person also nicht magst, wieso solltest du eine Beziehung zu ihr haben?

Natürlich haben Menschen Fehler und natürlich ist keine Beziehung perfekt. Aber wenn die Wunschvorstellung und die Realität zu sehr voneinander abweichen, dann stimmt etwas nicht und dann wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit unglücklich werden und bleiben, wenn du an dieser Beziehung festhältst. Denn deine Bedürfnisse sind ebenso wichtig, wie die der anderen. Wenn du diese immer wieder zurücksteckst wirst du dein Glück nicht finden.

3. Reflektiere deine Ängste

Was auch wichtig und hilfreich sein kann, ist sich klar zu machen, wovor man Angst hat, wenn man diesen Schritt geht. Male dir hier ruhig mal alle Konsequenzen aus. Und überlege dir dann, was für Lösungen du für diese haben könntest. Denn meistens ist es a) gar nicht so wahrscheinlich, dass die Konsequenzen wirklich eintreten und b) dass du keine Lösung dafür findest, wenn doch. Denn für das meiste findet man auch andere Lösungen, ohne dass man an ungesunden Beziehungen festhalten muss.

Das Aufschreiben kann dir hier helfen, deine Gedanken und Gefühle zu sortieren.

4. Nimm Abstand

Wenn wir uns sehr unsicher sind, was die richtige Entscheidung ist, kann es auch helfen, erstmal temporär auf Abstand zu gehen.

Je nach Art der Beziehung sollte man das dann aber auch vorher kommunizieren. Ist die Beziehung sowieso eher distanziert, reicht es auch, dass mit sich selbst auszumachen.

In der Zeit des Abstands kannst du dann für dich schauen, wie es dir damit geht. Fühlt es sich an, als sei dir eine Last von deiner Schulter genommen? Kannst du vielleicht freier atmen? Bist du glücklicher? Oder fühlst du dich unglücklicher? Fehlt dir die Person?

Beachte aber auch hier, dass du nicht den Fehler machen darfst, die Illusion der Person mit der Person selbst zu verwechseln. Fehlt dir wirklich die Person an sich? Oder fehlt dir die Vorstellung davon, wie es mit ihr sein könnte, wenn sie so wäre, wie du sie dir vorstellst.

Wenn du sie vermisst, versuche dir auszumalen, was sie in der Situation gerade tun würde und denke dabei auch daran, wie sie sich in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen verhalten hat. Sei dabei so ehrlich wie möglich. Denn gerade bei einer Trennung neigen wir dazu, dass Negative zu verdrängen und nur die positiven Seiten und Erinnerungen hervor zu holen.

Fehlt sie dir dann immer noch? Oder kommen ungute Gefühle auf, weil die Person in dieser Situation vielleicht nur rumnörgeln würde oder sonst etwas gemeines zu dir sagen würde?

Wenn wir uns die Person so ehrlich wie möglich vorstellen, haben wir dann manchmal schon direkt keine Lust mehr auf sie und merken, dass wir eigentlich nur z.B. die Vorstellung einer lieben Freundin vermissen und nicht wirklich diese Person, die uns ja eigentlich gar nicht gut behandelt.

5. Was würdest du einer Freundin raten?

Frage dich auch, was du einer Freundin raten würdest, wenn sie in deiner Situation wäre. Du könntest hier mal deine Situation aufschreiben, wie eine Geschichte, mit fiktiven Namen. So könnte z.B. eine Julia eine bestimmte Geschichte, zum Beispiel beleidigt worden zu sein, erlebt haben. Schreibe es so gut wie es geht aus der Vogelperspektive auf. Und dann stelle dir vor, was du dieser Person raten würdest. Schreibe dir auch hier Argumente auf, was für welche Seiten und Personen spricht. Dabei darfst du deine liebe Freundin, also dich selbst, auch gerne schriftlich in den Arm nehmen und ihr lieb zusprechen.

6. Fokussiere dich auf das Positive

Wenn du einmal weißt, in welche Richtung du gehen willst, versuche dich darauf zu konzentrieren, welche positiven Folgen das Loslassen dieser Person oder Situation hat.

Inwieweit wird das Loslassen dein Leben positiv beeinflussen? Wie werden sich dein Leben und deine Zukunft entwickeln, wenn du nicht mehr dieser toxischen Umgebung ausgesetzt bist? Wie wirkt sich das auf deine Weiterentwicklung aus?

Denn glaub mir, es wird dich stärken, dass du für dich selbst einstehst und nicht (weiter) zulässt, dass man dich schlecht behandelt. Auch wenn man sich in den Momenten des Loslassens manchmal schwach fühlen mag, ist es unheimlich stark von dir und du wirst merken, wie deine innere Stärke wächst, je weiter du gekommen bist.

7. Lasse los mit einem Ritual

Für einen richtigen Abschluss, kann es dir dann auch helfen, wenn du dein Loslassen mit einem Ritual besiegelst. Manchmal hilft es, wenn man nicht nur metaphorisch, sondern so richtig los lässt. Das können die Liebesbriefe des Verflossenen oder ein Foto von der Person sein, die man loslassen will. Diese kannst du in einem Schuhkarton auf einem Fluss auf die Reise schicken oder auch verbrennen. Vielleicht magst du sie auch einfach nur zerreißen und in den Müll werfen, wie du es sinnbildlich mit der Beziehung getan hast. Oder du packst einfach nur die Erinnerungen in einem Karton zusammen und in die hinterste Ecke deines Schrankes. 

Dem einen oder anderen hilft es auch seine Wohnung umzuräumen (z.B. nach dem Ende einer Partnerschaft).

Am Ende sind der Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt. Was auch immer dir hilft loszulassen, ist hier richtig. Und kann sich nochmal wie ein Befreiungsschlag anfühlen.

Akzeptanz ist wichtig

Am Ende ist es vor allen Dingen wichtig in die Akzeptanz zu kommen. Zu akzeptieren, dass wir andere Menschen nicht ändern können, sondern nur ändern können, wie wir mit Situationen umgehen (und hierbei ganz viel Stärke haben).

Dazu gehört auch alle Gefühle die mit dem Loslassen einher gehen zu akzeptieren. Sich dagegen zu wehren verstärkt den Schmerz nur.

Je mehr wir in die Akzeptanz gehen, dass wir nicht alles kontrollieren und beeinflussen können, desto einfacher wird auch das loslassen. Hab Vertrauen in das Leben, dass alles so kommt, wie es kommen soll. Wenn Menschen für dich bestimmt sind, werden sie in deinem Leben sein – weil sie es wollen und weil sie dich lieben und wertschätzen. Tun sie das nicht, sind sie auch nicht für dich bestimmt. Aber ich bin überzeugt, dass die richtigen Menschen kommen, wenn wir die Energie von den falschen Menschen abziehen.

Und manchmal ist loslassen hier die einzige Alternative.

Du kannst andere nicht ändern. Aber du kannst ändern, wie du über sie denkst oder auf sie reagierst. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)
Du kannst andere nicht ändern. Aber du kannst ändern, wie du über sie denkst oder auf sie reagierst. Quelle: healthyfeelings.de (erstellt mit canva.com)

Musstest du auch schon Beziehungen loslassen, die dir nicht gut taten? Erzähle mir gerne davon in den Kommentaren 🙂

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