Wenn aus Selbstfürsorge Egoismus wird

Ich bin ja ein großer Verfechter von Selbstfürsorge und glaube, dass das super wichtig ist. Viel zu oft vergessen wir unsere eigenen Bedürfnisse, während wir dabei sind, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen.

Deshalb halte ich es für sehr wichtig, dass man immer wieder inne hält und auch auf die eigenen Bedürfnisse schaut. Und sich ausreichend Ruhepausen und Zeit für sich selbst zu gewähren – in welcher Form auch immer.

Egoismus unter dem Deckmantel der Selbstfürsorge

Aber leider gibt es immer wieder auch Menschen, die es sich zu Nutze machen, dass Selbstfürsorge inzwischen ein großes Thema ist und ihren Egoismus unter dem Deckmantel der Selbstfürsorge verstecken.

Egoistisch ist dabei jemand, der sich rücksichtslos verhält und dabei nur seine eigenen Interessen im Blick hat. Natürlich gibt es hier viele Abstufungen und die wenigsten Menschen sind nur egoistisch.

Dennoch passiert es immer wieder, dass Menschen die Selbstfürsorge dazu nutzen, um ihren Egoismus zu entschuldigen.

An sich selbst zu denken ist ok und wichtig – aber in Maßen

Ich will es nochmal ganz klar betonen, dass es in Ordnung ist, wenn man zum Beispiel Verpflichtungen absagt, weil man keine Kraft mehr hat oder krank ist.

Auch ist es völlig okay, zu etwas nein zu sagen, um sich selbst zu schützen bzw. um sich um sich selbst zu kümmern, so dass man gar nicht erst krank wird.

Hierzu plant man im besten Fall seine Zeit schon vorab so ein, dass man immer auch genug Zeit für sich selbst hat und ein Erschöpfungszustand gar nicht erst entstehen kann – denn das ist Selbstfürsorge.

Aber manchmal passiert es trotzdem, dass man die Notbremse ziehen muss und das ist dann auch völlig okay.  

Wenn man nur an sich denkt, ist das keine Selbstfürsorge mehr

Trotzdem sollte das nicht bedeuten, dass man damit anderen immer wieder Schaden zufügt und diesen dann damit entschuldigt, dass man ja Selbstfürsorge betrieben hat.

Selbstfürsorge bedeutet auch immer zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der anderen abzuwägen. Wenn die anderen dabei jedoch immer vergessen werden, wird aus Selbstfürsorge schnell Egoismus.

Egoismus unter dem Deckmantel der Selbstfürsorge

So  kann es durchaus Sinn machen, eine Verabredung abzusagen, weil es einem nicht gut geht und man merkt, dass man sich jetzt schleunigst um sich selbst kümmern muss, weil man sonst zusammen bricht. Hier haben die Selbstfürsorge und die eigene Gesundheit Vorrang und das würde jeder Freund sicher auch verstehen.

Etwas anderes ist es jedoch, wenn man zum Beispiel eine Verabredung (oder gar mehrere) absagt, bei der man eigentlich für eine Freundin oder einen Freund da sein wollte, der gerade einen Todesfall erlebt hat und das dann damit begründet, dass man lieber etwas anderes machen möchte. Zum Beispiel die Wohnung umdekorieren oder lieber Zeit mit dem Partner verbringen oder ähnliches.  

Wer so argumentiert, kann sich nicht wirklich auf Selbstfürsorge berufen, sondern muss einsehen, dass er egoistisch handelt.

Wenn einem Zeit mit dem Partner oder der eigene Haushalt wichtiger sind, als für eine trauernde Freundin da zu sein, dann handelt es sich ganz sicher nicht um Selbstfürsorge, sondern dann ist die Selbstfürsorge ein Deckmantel für Egoismus.

Wer nur an sich denkt, handelt egoistisch

Natürlich kann man solche Treffen zum Beispiel, immer wieder verschieben, weil man sich selbst wichtiger ist. Aber dann kann man sich selbst nicht mehr belügen und muss sich eingestehen, ein Egoist zu sein.

Dann ist man jemand der gerne die Hilfe und Freundschaft anderer annimmt, aber im Gegenzug nichts zurück geben möchte. Und das macht einen nicht nur egoistisch, sondern auch zu einem schlechten Freund.

Ein anderes Beispiel wäre, wenn es einem jedes Jahr zu umständlich ist, sein Kind zu seinem Geburtstag zu besuchen, weil es etwas weiter weg wohnt. Da kann man jedes Jahr noch so viele Ausreden, wie Stress oder dieses oder jenes haben. Am Ende bleibt, dass man es sich selbst so einfach wie möglich machen möchte und sich selbst immer wichtiger ist, als das eigene Kind. Und das an einem Tag im Jahr, an dem es einem doch wichtiger sein könnte.

Ihr versteht schon, worauf ich mit diesen Beispielen hinaus will.

Die eigene Selbstfürsorge wird hier zu einer verdammt schlechten Ausrede, mit der man nur an sich selbst denkt und andere Menschen verletzt.

Es gibt einfach Situationen in denen man die eigenen Bedürfnisse auch mal zurück stellen sollte

Es gibt einfach Situationen, in denen es wichtig ist, für andere da zu sein. Ansonsten zeigt man, dass sie einem nicht wichtig sind. Und dass man selbst verdammt egoistisch handelt.

Und das hat dann rein gar nichts mehr mit Selbstfürsorge zu tun.

Wie ich schon in dem Artikel „Ein Nein ist ein Ja zu dir selbst“ schrieb, ist die Balance entscheidend:

„Ruft uns zum Beispiel unsere Freundin mitten in der Nacht an, weil sie am Boden zerstört ist, raubt uns das erstmal den Schlaf und da ist unser Hauptbedürfnis natürlich ganz klar der Schlaf. Ohne Schlaf fühlen wir uns müde und vielleicht sogar körperlich sehr schlecht. Trotzdem ist es hier dann wichtig, auch in der Krise für seine Freundin da zu sein und ein „NEIN“ würde die Beziehung zu Recht beschädigen.

Ruft die Freundin allerdings an, weil sie gerade wach ist und bock hat zu quatschen, ist das ne andere Geschichte und dann sollten wir dringend unsere Grenzen abstecken. Genauso, wenn ihre Krisen ständig nachts sind und niemals bis zum nächsten Tag warten können. An diesem Punkt macht es dann Sinn, das Gespräch zu suchen und in Zukunft ohne schlechtes Gewissen „NEIN“ zu sagen.

Hier muss man natürlich immer eine Balance finden zwischen wirklich wichtigen Dinge, wo die eigenen Bedürfnisse auch mal hinten an stehen dürfen und den nicht so wirklich wichtigen Dingen bzw. dem Alltag, wo unsere Bedürfnisse immer ebenso Berücksichtigung finden sollten.“

Denk an andere genauso wie an dich

Deshalb: kümmert euch um euch selbst, das ist super wichtig. Aber vergesst dabei nicht die Menschen um euch herum. Vielleicht haben genau diese Leute euch schon in der Vergangenheit bei Problemen geholfen. Sei es nun das fehlende Ei, welches sie euch geliehen haben, oder das offene Ohr, wenn ihr Streit mit eurer Mutter hattet.

Würdet ihr nicht auch wollen, dass man euch in Krisenzeiten unterstützt? Würdet ihr euch nicht auch wünschen, dem anderen wichtig genug zu sein, dass er in solchen Situationen an euch, anstatt an sich selbst denkt?

Ich kann es jedem nur ans Herz legen, solche Abwägungen weise vorzunehmen. Denn wer immer nur an sich selbst denkt, wird am Ende genau das haben: nur noch sich selbst.



Hast du auch schon erlebt, dass Menschen ihren Egoismus unter dem Deckmantel der Selbstfürsorge verschleiern wollten? Oder das Menschen in Krisensituationen lieber an sich selbst dachten, anstatt dir beizustehen? Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu lesen.



Ausblick: Da es nicht immer einfach ist, egoistische Menschen als solche zu erkennen, kannst du im nächsten Blogartikel lesen, woran man Egoisten erkennt.

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