Warum auch Erwachsene mehr spielen sollten

Spielst du schon oder arbeitest du noch?

Du denkst, spielen ist nur was für Kinder oder für Menschen mit zu viel Zeit? Oder dass nur Nerds noch an PC und Konsole, mit Lego oder ähnlichem Spielen?

Mitnichten mein*e Freund*in 🙂

In diesem Artikel erkläre ich dir, warum das Spielen auch für Erwachsene gut und wichtig ist.

Spielen hat viele positive Eigenschaften

Wenn du spielst, heißt das, dass du dich voll und ganz auf das Spiel konzentrierst. Egal ob du Videospiele, Brett – oder Kartenspiele oder Aufbausets wie Lego und ähnliches spielst. Du bist ganz im Moment, im Hier und Jetzt. Das heißt, du kannst dich entspannen und ganz auf das Spiel einlassen und dich aufgehoben fühlen. Es gibt keine Deadlines, kein zwingendes Ziel. Der Sinn des Spiels ist der Selbstzweck. Natürlich haben Spiele auch ihre Ziele. Aber du selbst hast es in der Hand, welchen Zielen du folgst und kannst es ganz entspannt und in Ruhe angehen.

Ein gutes Spiel wird dich dabei so in den Bann ziehen, dass du dein Drumherum, deine Sorgen und Nöte vergessen kannst. Das Spiel bietet dir eine Herausforderung, ohne dich zu überfordern. Es bietet dir Spiel und Spannung. Du kannst dabei in dieser Welt versinken. Und gerätst damit in einen Zustand, den Psychologen „flow“ nennen. Einen Zustand, in dem es heißt, alles kann, nichts muss. Du kannst einfach nur sein, dich entspannen und fröhlich sein. Und das tut unheimlich gut.

Damit ist Spielen nicht kindisch, sondern eine Art der Selbstfürsorge. Es ist ein Gegenpol zu dem oftmals stressigen Alltag (Und mal ehrlich, wann brauchen wir einen Gegenpol mehr als zu dieser Zeit, wenn Corona unser aller Leben durcheinander wirbelt).

Das Spielen von Videospielen ist gut für uns

Diverse Studien konnten dabei belegen, dass das Spielen positive Auswirkungen auf uns haben kann und demnach gut für uns ist. Und das gilt auch für das umstrittene Computer- bzw. Konsolenspielen. So wurden in einer Oxford-Studie zu Videospielen die beliebten Spiele „Animal Crossing“ und „Plants vs. Zombies“ auf deren Auswirkungen auf die Spieler untersucht. Laut der Studie sind Videospiele demnach gut für unsere psychische Gesundheit. Je länger und öfter man spielt, desto glücklicher ist man (natürlich alles im gesunden Maße). Dabei macht es die Spieler zufriedener, wenn sie aus eigener Motivation heraus spielen und nicht aufgrund des Wettbewerbs mit anderen (Quelle: Video game play is positively correlated with well-being, Oxford University). Spielen macht uns also glücklicher.

Auch macht uns das Spielen optimistischer, neugieriger und motivierter

Aber das ist noch nicht alles. Spiele machen optimistisch, weil sie uns das Gefühl verschaffen, jede Herausforderung bewältigen zu können. Gleichzeitig steigern sie unsere Neugierde, da sie spannend und interessant sind. Wir sind gespannt, was uns in dem nächsten Dungeon oder beim nächsten Endboss erwartet. Welche Herausforderung wir meistern müssen oder welche Schätze wir die unseren nennen können.

Gleichzeitig fördern die Spiele aber auch das Durchhaltevermögen und die Selbstmotivation, wenn wir nach jeder Niederlage „wieder aufstehen“ und es erneut versuchen. Letztendlich geben sie uns eine Aufgabe und einen Sinn. Wir haben Ziele, die wir erreichen wollen und können. Das gibt uns das Gefühl, etwas geschafft oder gar erschaffen zu haben. So können wir bei Aufbau/Sandboxspielen wie Minecraft die Welt erkunden, Gegenstände sammeln und unser eigenes Haus oder ganze Dörfer aufbauen. Jedes erledigte Ziel gibt uns das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Und das passiert im Grunde bei jedem Spiel, so unterschiedlich sie auch sind.

Quelle: Teddy Guerrier on Unsplash

Beim Spielen werden viele Fähigkeiten spielerisch verbessert

Auch taktische Fähigkeiten werden beim Spielen spielerisch gelernt und ausgebaut. So gibt es eine Vielzahl von Spielen, die taktisches, strategisches und planerisches Handeln voraussetzen und auch trainieren. Dabei wird gelernt, zielführend und gewinnbringend ans Ziel zu kommen. Diese taktischen Fähigkeiten trainieren zudem das Denkvermögen, die Geduld sowie ein diplomatisches Vorgehen.

Auch fördert das Spielen die Konzentrationsfähigkeit. Hamburger Forscher zeigten, dass Computerspiel-Pausen während der Arbeitszeit die Konzentration ansteigen ließ. Die Probanden der Kontrollgruppe, die nicht spielten, waren weniger konzentriert, als die, die nach einer schwierigen Textaufgabe eine Spielpause hatten. Das Spielen macht uns also insgesamt produktiver.

Spiele, in denen besonders schnell, besonders viel passiert (Actionspiele), fördern besonders die Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Informationsverarbeitung. Sie führen zu einer schnelleren Auffassungsgabe und helfen, neue Informationen schneller einordnen und verarbeiten zu können. Das haben sie zudem den sog. Lernspielen voraus, wie US-Wissenschaftler herausfanden.

Spielen macht kreativ

Andere Forschungen kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass das Spielen kreativer macht.  Eine Studie der Michigan State University mit rund 500 zwölfjährigen Kindern vergab die Aufgabe, ein kreatives Bild zu malen und dazu eine Geschichte zu schreiben. Kinder, die regelmäßig Videospiele spielten waren dabei kreativer und einfallsreicher als Kinder, die dies nicht taten.

Desweiteren fördern Teamspiele (MMORPGs, Shooter uvm.) die Teamfähigkeit und den Zusammenhalt. Das eigene Verhalten und das der anderen haben Auswirkungen auf den Erfolg der Gruppe, weshalb es wichtig ist sich abzusprechen und respektvoll miteinander umzugehen, um gemeinsam ans Ziel zu gelangen. Beim gemeinsamen Spielen mit Reden und Lachen entstehen so mit der Zeit Vertrauen und Kameradschaft bis hin zu engen Freundschaften.

Screenshot eines MMORPGs (Wow). Quelle: healthyfeelings.de

Onlinespiele wie MMORPGS (Multiplayer-Online-Rollenspiele) können zudem die Fremdsprachenkenntnisse verbessern, da zum einen manche Spiele nur auf Englisch verfügbar sind, aber auch bei deutschsprachigen Spielen oftmals auch Spieler mit anderen Sprachen dabei sind. Das heißt, um sich austauschen oder die Inhalte lesen zu können, sind Englischkenntnisse wichtig. Wer also regelmäßig spielt hat gemäß einer Studie der Uni Göteborg ein deutlich größeres Englischvokabular.

Das Spielen kann somit die kognitiven Fähigkeiten im Gesamten verbessern und unser geistiges Alter damit verjüngen. Forschern der Universität Iowa untersuchten das Nachlassen von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Problemlösekompetenzen und fanden heraus, dass Computerspielen helfen kann, dieses zu verlangsamen. Bereits nach 10 Stunden Spielen entsprachen die kognitiven Fähigkeiten dem eines 3 Jahre jüngeren Menschen. Die kognitiven Fähigkeiten nahmen also zu.

Das Computer/Konsolespielen kann uns also gut tun und uns mental und kognitiv stärken. Es hilft uns, unsere Fähigkeiten spielerisch auszubauen.

Das Spielen mit Bausätzen hat ähnliche Effekte

Aber nicht nur das Computer spielen ist hilfreich für uns. Auch das Spielen mit Aufbautsets wie Lego (Klemmbausteine) oder Modellbauautos- oder Zügen und ähnlichem kann uns helfen Stress abzubauen und zu entspannen. Die Konzentration auf das zusammen basteln kann helfen, den Kopf von Sorgen frei zu bekommen, weil sich das Denken ganz und gar auf das zusammen bauen konzentriert.

Auch hier kann das zusammen bauen bzw. Spielen alleine oder mit anderen vollzogen werden. Somit ist das spielen auch gut für das miteinander. Das gemeinsame überlegen, besprechen und ausführen kann die Beziehung stärken  und ist auch hier der Teamfähigkeit zuträglich. Und während man so bastelt kann man auch immer wieder über alle möglichen Themen des Lebens reden. Das bringt einander dann wieder näher.

Hat man ein kompliziert wirkendes Modell dann zu Ende gebracht, kann man sich über das Ergebnis und das Gefühl, etwas geschafft zu haben, freuen. Man erlebt also wie auch beim Videospielen ein Erfolgserlebnis und bekommt vielleicht sogar noch Lob vom Partner oder Freunden. Die Tätigkeit hat also ein Ziel und bringt Anerkennung.

Durch das Spielen verknüpfen sich zudem auch hier im Gehirn Netzwerke miteinander, die sonst nie miteinander verknüpft werden, was die Kreativität fördert. Auch kann das Spielen die Angst vermindern. Der Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt es wie folgt: „Wir kommen auf ganz neuartige Ideen und Lösungen, bekommen mehr Lebensfreude, spüren uns wieder selbst, bleiben kreativ.“

Und nicht nur die Forschung hat erkannt, das Spielen auch für Erwachsene von Bedeutung ist. Auch die Hersteller haben den Trend längst erkannt, dass nicht nur Kinder eben jene Spielzeuge kaufen, sondern auch immer mehr Erwachsene. Und das ist auch gut so.

Quelle: Alexas_Fotos auf Pixabay 

Das Spielen von Brett- und Kartenspielen reiht sich hier mit ein

Eine weitere Form der Spiele sind Brett- und Kartenspiele.

70 % der Deutschen spielen laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov Karten- oder Brettspiele. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die einen möchten der digitalen Welt entkommen und spielen deshalb gerne analog, andere wiederum führen Kindheitserinnerungen als Grund an, wieso sie gerne Brett-und Kartenspiele spielen.

Auch das Spielen von Brett- und Kartenspielen kann entspannen, dass drumherum vergessen lassen und in den, weiter oben genannten, „flow“ führen.

Dabei gibt es die unterschiedlichsten Spiele. Bei manchen Spielen spielt man gegeneinander, bei anderen muss man zusammen arbeiten. Bei einigen muss und kann man strategisch planen, bei anderen wird wiederum jeder Plan schnell wieder über den Haufen geworden, weil sich die Prämissen ändern.

Aber auch diese Spiele haben dem Videospielen und den Bausätzen gemein, dass man beim Spielen viel Spaß haben, seiner Kreativität freien Lauf lassen und sich Herausforderungen stellen kann.

Quelle: Bild von dograapps auf Pixabay 

Ich spiele, was ist mit dir?

Ich selbst habe nie aufgehört zu spielen. Ich würde ja gerne sagen, dass ich genau aus den oben genannten Gründen spiele, aber genau genommen spiele ich vor allem deshalb, weil es mir sehr viel Spaß macht. Und weil es mich entspannt, wenn ich nach einem langen Tag mit vielen To Dos am Pc oder der Konsole spiele und mich ganz in das Spiel vertiefen kann. Ich spiele auch oft ein MMORPG mit meinem besten Freund. Dabei reden und lachen wir sehr viel, was das Spielen umso schöner macht. Selbigen habe ich übrigens vor über 10 Jahren über ein MMORPG kennen gelernt. Wir schrieben, telefonierten und trafen uns und unsere Freundschaft hält bis heute (und hoffentlich für immer :)) an.

Genauso oft spiele ich aber auch mit meinem Mann oder alleine. Dabei spielen wir an verschiedenen Konsolen und am PC. Wir haben Playstation-, Nintendo- und Xbox- Konsolen und spielen leidenschaftlich gerne.  Dabei bewegen wir uns in verschiedenen Genres. Seien es nun MMORPGS wie WoW, Click&Point-Adventure wie Monkey Island, Vieh-Chroniken/Unwritten Tales, Spiele wie Hitman oder Splintercell, Zelda oder Super Mario. Jedes Spielgenre hat dabei seine eigenen Vorzüge. Es darf gerätselt und geplant werden, es gibt viel zu entdecken und zu erreichen. Und das macht einfach nur Spaß.

Das Zocken ist also ein tolles Hobby – allein und mit anderen zusammen.

Aber wir spielen nicht nur digitale Games, wir spielen auch gerne Gesellschaftsspiele, nur zu zweit oder auch besonders gerne mit Freunden beim Spieleabend. Dabei geht es immer sehr lustig zu und wir haben eine schöne Zeit zusammen. Das Spielen verbindet also.

Und nicht zuletzt bastel ich auch sehr gerne, unter anderem auch Lego. Okay, das ist weniger das klassische Basteln, ich nenne es nur gerne so. Lego macht mir ebenfalls super viel Spaß und hat mir in einer sehr schwierigen Phase meines Lebens geholfen, die Tage durchzustehen. Ich habe diverse Sets zusammengebaut und nebenbei manchmal noch einen Film oder eine Serie geschaut und konnte mich so gut von meinen Problemen ablenken. Manchmal habe ich alleine Legosets aufgebaut, manchmal mit meinem Mann zusammen. Beide Varianten machen Spaß. Und ich kann aus persönlicher Erfahrung jedem nur dazu raten, es mal auszuprobieren. Ihr könnt nur davon profitieren, wenn ihr neues ausprobiert und euch mit spaßigen Dingen beschäftig. Denn wer nicht mehr spielt, hat das Kind in sich selbst verloren.

Was passiert, wenn wir nicht spielen

Wenn wir nicht spielen, schadet uns das genauso wie ein Schlafdefizit, wie psychologische Studien ergeben haben. Wir haben dann ein Spieldefizit. Aber nicht nur, dass es schädlich für uns ist, nein wir verlernen auch uns für etwas zu begeistern und zu träumen. Wir verlernen uns zu freuen und unbeschwert zu sein.

Wenn wir nicht spielen, altern wir damit auch innerlich schneller.

„Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie zu alt sind. Sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen“

Oliver Wendell Holmes Sr.

Deshalb ihr Lieben, spielt, so oft ihr könnt und mögt. Und lasst euch von niemandem einreden, dass man als Erwachsene nicht spielt 🙂

„Komm lass uns spielen gehen und die Welt mit Kinderaugen sehen!“

Fazit

Spielen macht uns also

  • glücklicher
  • optimistischer
  • kreativer
  • konzentrierter
  • neugieriger
  • gespannter
  • geduldiger
  • diplomatischer
  • teamfähiger

Wir haben damit

  • mehr Durchhaltevermögen
  • mehr Selbstmotivation
  • eine Aufgabe und ein Ziel
  • eine schnellere Auffassungsgabe

Es stärkt

  • das taktische Handeln
  • das strategische Handeln
  • das planerischen Handeln
  • das zielführende Denken
  • das gewinnbringende Denken
  • das Denkvermögen
  • die Fremdsprachenkenntnisse

Spielst du schon oder alterst du noch? Nein, im Ernst, spielst du gerne und wenn ja, was? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Schreibe einen Kommentar