Mein Körper – Freund oder Feind?

Vor einiger Zeit habe ich einen Status einer Freundin gelesen, der lautete:

„Mein Körper ist mein Feind.“

Sie bezog sich dabei auf ihre Gesundheit.

Ich musste mehrfach über diesen knappen Satz nachdenken. Früher hätte ich dieser Aussage vermutlich direkt zugestimmt, habe ich doch auch schon einige Kämpfe mit meinem Körper ausgetragen.

Allerdings hat sich meine Sicht hierauf verändert. Ich habe vieles zu diversen gesundheitlichen Problemen gelesen und wurde mir mehr und mehr bewusst, dass mein Körper nicht mein Feind ist. Im Gegenteil. Mein Körper ist ein Teil von mir und mein Freund.

Wenn ich von Symptomen gequält werde, ist er es doch, der das aushält und der ständig versucht, alles zu regulieren, was ihm von außen aufgebürdet wird. Sei es nun Stress, schlechte Ernährung, wenig Bewegung, Umweltgifte, genetische Komponenten und vieles mehr. Also auch all das was die heutige Gesellschaft so mit sich bringt.

Und mein guter Freund rackert sich ab, um mit all diesen Dingen klar zu kommen. Und manchmal sagt er dann eben für mich „Stopp! Das ist jetzt zu viel Stress, du brauchst eine Pause.“. Und dann liege ich mit einer Migräne-Attacke flach.

Stress kann ein sog. Trigger bei Migräne sein, genauso wie zum Beispiel Wetterumschwünge und ähnliches. Es ist aber nicht die Ursache. 

Unser Körper ist ein selbstheilendes Wunderwerk

Unser Körper ist dabei ein Wunderwerk, das alltäglich, mit seinen mannigfaltigen Funktionen, für uns arbeitet. Unermüdlich hält er uns am Leben und versucht im Einklang für uns ein gut funktionierendes „Gefäß“ zu sein.

Wunderwerk Mensch. Quelle: Gerd Altmann auf Pixabay 

Und ist er nicht allein deshalb schon ein Wunderwerk, weil er sich selbst heilen kann? Wenn der Superheld in einem Superheldenfilm seine Wunden in Sekundenschnelle heilen kann, kommt uns das immer wie unrealistische Sciencefiction vor. Doch im Grunde macht unser Körper nichts anderes. Nur langsamer.

Was wir für selbstverständlich halten, ist doch eigentlich ein wahres Wunder. Was für ein Wunderwerk, er doch ist, dass er Wunden langsam verschließen und heilen kann, bis am Ende nichts mehr, oder maximal eine Narbe, zu sehen ist.

Wäre dem nicht so, würden wir an der kleinsten Wunde sterben, weil wir schlichtweg verbluten würden. Oder auf jeden Fall mit jeder Wunde mehr Gefahr laufen würden, zu sterben. Und ziemlich schmerzhaft wäre es noch dazu, überall offene Wunden zu haben.

Und auch, wenn wir mit Symptomen gebeutelt danieder liegen, bedeutet dass i.d.R. nichts anderes, als das unser Körper gegen die Ursachen ankämpft, die uns gerade beuteln. Bei einer Grippe, wenn uns böse Viren plagen, fährt er die Temperatur hoch, um uns zu schützen und die Viren zum absterben zu bringen.

Natürlich ist das sehr unangenehm. Aber die Alternative wäre, dass wir an der Grippe versterben.

So kann es aber genauso passieren, dass er uns mit Depressionen, Paniksymptomen  oder psychosomatischen Beschwerden zu einer Pause zwingt, wenn wir zu lange nicht bei uns und unseren Gefühlen waren.

Angst. 
Bild mit dem Wort Anxiety.

Quelle: Pete Linforth auf Pixabay
Angst. Quelle: Pete Linforth auf Pixabay 

(Ich möchte hiermit aber nicht sagen, dass jede Erkrankung aus diesem Grund da ist. Und ich möchte erst Recht nicht, dass sich jemand nicht ernst genommen fühlt. Die Gründe für Erkrankungen sind vielfältig.).

Genauso kann es aber auch sein, dass er damit sagen möchte, dass in unserem Körper eine andere Erkrankung schlummert, die die Symptome verursacht. Ein Ungleichgewicht möglicherweise.

Unser Körper ist ein Lehrer

Er ist also nicht nur unser  Freund, er ist auch ein Lehrer. Er erzählt uns im Grunde was er braucht. Wir haben nur oftmals verlernt, hinzu hören und ihm die nötige Aufmerksamkeit zu geben. Denn sonst würden wir uns mehr bewegen, gesünder ernähren, uns mehr ausruhen und weniger stressen. Würden unser Leben so anpassen, dass es für uns und unseren Körper gut ist.

Leider ist unsere Leistungsgesellschaft hier nicht hilfreich, weil sie uns zwingt, gegen unsere ureigenen Gewohnheiten anzugehen.

Unser Körper als Lehrer. 
Ein Mann in Zeichentrickoptik zeigt auf eine Tafel, ein Whiteboard.

Quelle: PanJoyCZ auf Pixabay
Unser Körper als Lehrer. Quelle: PanJoyCZ auf Pixabay 

Und natürlich habe ich mich selbst auch schon oft gefragt, wieso ich dieses oder jenes erleiden muss(te) und gedacht, wie schrecklich sich die Symptome anfühlen. Aber der Körper ist dabei nicht der Feind. Er will uns schützen und heilen.

Warum es dabei so schlimme Schmerzen geben muss, kann ich allerdings auch so manches Mal nicht nachvollziehen.

Mir ist natürlich bewusst, das Schmerzen ein Warninstrument des Körpers sind, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass etwas nicht stimmt. Aber eine erträglichere Form wäre so manches Mal begrüßenswerter.

Da kann man sich schon fragen, wieso das so andauernd und schmerzhaft sein muss. Aber so funktioniert nun mal unser Konstrukt Körper.

(Da müssen wir uns vielleicht mal mit unserem Schöpfer auseinander setzen, wer auch immer das war – hier spalten sich ja die Geister.)

Unser Körper möchte, dass es uns gut geht

Trotzdem glaube ich, dass uns unser Körper nur helfen möchte, er ist es ja der, das ertragen muss, neben uns als “Bewusstsein”. Er ist ja wir, wir sind ja eins. Wieso sollte er da unser Feind sein? Das wäre ja schon widersprüchlich in sich. Können wir selbst unser eigener Feind sein bzw. kann unser Körper das? Darüber lässt sich sicherlich philosophieren, aber das ist ein anderes Thema.

Fakt ist, der Körper und wir, also unser Bewusstsein und Seele, sind nun mal eins. Und ich glaube nicht, dass er uns schaden möchte.

Unser Körper möchte, dass es uns gut geht.

Bild mit einer Buddhafigur, Kerzen, Steinen und zwei gerollten Handtüchern, sinnbildlich für Ruhe und Entspannung.  Quelle: Nico H. auf Pixabay
Unser Körper möchte, dass es uns gut geht. Quelle: Nico H. auf Pixabay 

Nun wird sich manch einer vielleicht denken „Was für ein Quatsch, wo sagt er mir denn was ich brauche?“. Ich sage aber „Doch, er weiß es.“. Und er sagt es uns. Und wir können lernen, die Zeichen besser zu deuten, wenn wir richtig hinhören. Wenn wir uns mit unserer Gesundheit beschäftigen und uns mit unseren Gefühlen auseinander setzen. Wenn wir über unseren Körper lesen und lernen. Dann werden wir auch lernen, ihn besser zu verstehen.

Ich sage nicht, dass es einfach ist. Denn wir haben oftmals verlernt, seine Sprache zu sprechen und auf unsere Intuition zu hören. Aber ich glaube, dass wir lernen können, seine Sprache wieder besser zu entschlüsseln.

Aber das kann nur passieren, wenn wir Verantwortung für uns selbst übernehmen und bereit sind, auch den unbequemen Weg zu gehen.

Wir müssen die Verantwortung für uns und unsere Gesundheit übernehmen

Es ist natürlich einfacher, es sich leicht zu machen und die Verantwortung zum Beispiel in die Hände von Ärzte und Therapeuten zu legen. Was ohne Frage auch sehr wichtig ist. Aber ohne Mitarbeit, wird man damit nicht weit kommen. Die Medikamente behandeln im Zweifel nur die Symptome, aber die Ursache wird nicht geheilt. Bei einer Therapie kommt man nicht vorwärts, wenn man nicht bereit ist, selbst mit zu arbeiten.

Und ich glaube, dass es ganz wichtig ist, auch eigenverantwortlich viel zu lesen und zu lernen, um seine Erkrankungen, die Ursachen und Behandlungen besser zu verstehen. Denn so gut unser Gesundheitssystem auch einerseits ist, so krankt es doch an der einen oder anderen Stelle. Und es ist wichtig, sich ein allumfassendes Bild zu machen, was man noch für Möglichkeiten hat, seine Lebensqualität zu verbessern. Denn Körper und Geist gehören zusammen. Und eine alleinige Symptombehandlung beseitigt selten die Ursachen.

Versuche deinen Körper als Freund zu sehen

Ich bin selbst noch weit davon entfernt zu sagen, ich hätte meinen Körper, meinen Freund und Lehrer verstanden. Aber ich lerne immer wieder neues und bin auf dem Weg dorthin, ihn immer besser zu verstehen.

Und ich glaube, dass es viel mit einem machen kann, wenn man sich seinen Körper gedanklich zum Feind macht. Ich denke, hier ist es, wie in so vielen Bereichen von Vorteil, wenn man versucht die Dinge aus einer positiven Perspektive zu betrachten. Wenn man versucht, ihn als Freund zu verstehen und mit und von ihm zu lernen.

Wie stehst du zu deinem Körper? Betrachtest du ihn als Freund oder eher als Feind? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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