Einmal krank zum mitnehmen, bitte!

– Achtung, Text kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten –

Ich bin verdammt wütend. Und ich bin verdammt traurig. Darüber, wie mit mir umgegangen wird. Darüber wie mit so vielen umgegangen wird, die chronisch krank sind.

Ich durfte mal wieder die Erfahrung machen, dass man als chronisch kranke Person wenig Verständnis bekommt. Und es fühlt sich einfach verdammt ungerecht an.

Ich erwarte nicht viel von anderen. Aber Verständnis oder zumindest eine neutrale Freundlichkeit, die erwarte ich von jedem Menschen. Und ich denke, dass ist auch nicht zu viel verlangt. Wir alle haben es doch verdient mit Respekt und Freundlichkeit behandelt zu werden, egal unter welchen Bedingungen wir leben müssen.

Ich bin selbst verantwortlich für meine Erkrankungen

Aber das scheine ich der Meinung mancher Menschen entsprechend nicht verdient zu haben. Ich bin chronisch krank und deshalb habe ich es verdient, dass man mich schlecht behandelt. Denn immerhin bin ich ja selbst verantwortlich dafür.

Ich bin zu den allseits bekannten „Krankenhäusern“ gegangen, die ja, wie man weiß, Krankheiten verteilen, und habe dort eine dicke Portion Krankheit gekauft. Ach was eine, ich konnte nicht genug kriegen. Ich hab mir direkt mehrere gegönnt. Ich dachte „Komm Miri, gönn dir mal.“. Man gönnt sich doch heutzutage sonst nichts.

Also ging ich hin und gönnte mir. Und habe mir all meine Erkrankungen ausgesucht, fein säuberlich aus einem Katalog.

Und weil ich halt so bin, wie ich bin, habe ich all das, was ich aushalten muss ja auch gewollt. Und habe dafür mit der Währung „Lebensfreude und Lebensqualität“ bezahlt.

Aber immerhin wollte ich das doch so. Ich habe es mir schließlich ausgesucht! Wirklich! Ohne scheiss.

Wär ja noch schöner, wenn sowas wie Krankheiten unverschuldet zu einem kämen. NEIN, NEIN, das muss man sich ausgesucht haben!

Immerhin ist das doch so ein schönes Vergnügen, wenn man jeden Tag müde ist, keine Kraft mehr hat, täglich Schmerzen an allen nur erdenklichen Stellen hat. Wenn man Kopfschmerzen hat, die einen manchmal wünschen lassen, dass man Tod wäre (keine Sorge, ich bin nicht suizidal!). Und tausend weitere Symptome, die ich euch erspare. Mensch, was für ein Spaß das doch ist. Wer würde sich so ein Vergnügen nicht wünschen und dafür freiwillig eine Menge bezahlen.

Es ist doch wunderschön, wenn man zu nichts mehr in der Lage ist. Kaum Lebensqualität, weniger soziale Kontakte, keine Unternehmungen mehr, kein Job mehr, kein Geld mehr. Der Spaß meines Lebens. Das wars wert!

Als chronisch Kranke Mensch zweiter Klasse

Ernsthaft, ich bin chronisch krank und darf mir sagen lassen, ich wolle das doch so. Ich bin chronisch krank, leide unbeschreiblich und darf mir das dann noch vorwerfen lassen.

Als wäre es meine eigene Schuld. Als hätte ich es mir ausgesucht. Als wäre es mein eigenes Versagen und ich deshalb weniger wert.

Ich schrieb in dem Artikel „Die Folgen meiner Erkrankungen“ bereits davon, dass eines der schwersten Dinge daran, chronisch krank zu sein, das Unverständnis der Mitmenschen ist.

Und ich erzählte bereits, dass ich mir aus meinem nahen Umfeld von einer Person anhören durfte, dass ich nur Mitleid wolle. Das ich nicht gesund werden wolle. Das ich nichts an meiner Situation ändern wolle. Dass ich nur meine Pillen (Schilddrüsenmedikamente) „fressen“ würde.

Jap, Medikamente die lebensnotwendig sind…wie kann ich nur. Wieder so ein Spaß, den ich mir gönne. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mal davon ab, dass ich gar nicht aufzählen kann, wie viele Dinge ich schon ausprobiert habe, um meinen Zustand zu verbessern. Und trotzdem muss ich mich immer wieder dafür rechtfertigen, dass es mir immer noch schlecht geht.

Als würde ich den ganzen Tag nur da sitzen und mich freuen, dass es mir schlecht geht. Als ob ich selbst nicht das größte und stärkste Interesse daran hätte, dass es mir besser geht! Ich, ICH ertrage diese Schmerzen jeden Tag! Ich, ICH leide so sehr! Ich bin also die letzte, die das noch einen Moment weiter ertragen möchte. Aber natürlich, ich möchte ja nichts ändern.

Wieso muss ich mich ständig rechtfertigen?

Wie kann es eigentlich sein, dass sich andere Menschen erdreisten, einem zu sagen, was man doch tun soll und was das richtige für einen wäre. Versteht mich nicht falsch, ich bin immer dankbar für Ideen und Ratschläge. Aber wenn mir jemand ernsthaft vorwirft, dass ich nicht mit ihnen D´accord gehe, dass ihr Weg der einzig richtige Weg für mich ist, dann ist das einfach nur übergriffig und bevormundend.

Und verdammt, ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, was ich alles schon probiert habe und warum ich irgendwas anderes noch nicht probiert habe! Es ist mein Körper, mein Leben. Ich kenne all die Details, ich weiß, was Sinn macht!

Und ich will mich verdammt nochmal nicht mehr rechtfertigen müssen, was ich alles mache oder nicht mache. Ich will mich nicht mehr dafür rechtfertigen müssen, dass ich immer noch krank bin. Chronische Erkrankungen haben es so an sich, dass sie chronisch sind, ergo bleibend/langanhaltend. Ich verstehe nicht, wie man das nicht verstehen kann. Wenn jemand im Rollstuhl sitzt fragt man ihn doch auch nicht, wann er denn endlich mal wieder laufen wird.

Und dennoch tue ich alles, was ich kann, um eine Besserung für mich herzustellen. Denn ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder gesund zu werden!

Nein, es gibt kein Medikament, das meine Krankheit zum verschwinden bringt. Gibt´s vielleicht eins gegen deinen Mangel an Empathie? Bildquelle: healthyfeelings.de, erstellt mit canva.com
Nein, es gibt kein Medikament, das meine Krankheit zum verschwinden bringt. Gibt´s vielleicht eins gegen deinen Mangel an Empathie? Bildquelle: healthyfeelings.de, erstellt mit canva.com

Hachja, die liebe Vergesslichkeit

Aber achja, ich wollte ja darauf hinaus, dass ich wütend und traurig bin. Ach Miri, noch so nen Ding, dass du dir ausgesucht hast. Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit. Ist es nicht toll, wenn man sich manchmal wie 90 fühlt?

Also, nachdem ich von besagter Person diese freundlichen Worte hören durfte, habe ich mich natürlich entsprechend dagegen gewehrt – mit einer Bazooka.

Nein Quatsch! Ich habe meine Entrüstung geäußert und hinterfragt, wie man so etwas zu jemandem, der chronisch krank ist, sagen kann. Ich war verletzt, zu Recht!

Danach herrschte dann erstmal fast ein Jahr Funkstille. Sie blockierte mich, weil sie entrüstet darüber war, dass ich ihr, ihr Verhalten gespiegelt habe und für mich eingestanden bin. Und nein, ich bin nicht ausfallend geworden oder so. Ich habe einfach meine Gefühle beschrieben und dass ich nicht verstehen kann, wie sie so zu mir sein kann. Aber klar, wer hört schon gern Kritik oder will sein Selbstbild als gute Person angekratzt wissen.

Das Gespräch

Kürzlich habe ich mich nun auf ein Gespräch mit dieser Person eingelassen. Ich hatte schon vorab große Zweifel, ob das einen Zweck hat. Aber ich bin ja nett und gesprächsbereit.

Tja, was soll ich sagen. Es lief wundervoll – nicht.

Ich durfte mir in einem 3 stündigen Streit die wildesten Dinge anhören. Es wurde geschrien und es wurde mit Argumenten um sich geworfen. Es war nicht schön, Freunde. Nicht schön!

Viele gute Argumente

Tja, was durfte ich mir nicht alles anhören. Mal davon ab, dass sehr lange gar kein Einsehen da war, was die ersten Dinge (Mitleid, nichts ändern wollen etc.) anging, und das Einsehen auch später dürftig blieb, durfte ich mir vorwerfen lassen, wie schrecklich ich sei und dass ich manipulativ gewesen wäre, als ich dieser Person gesagt hatte, dass mich ihr Verhalten verletzt hat. Ich hätte sie dazu drängen wollen, was Bestimmtes zu sagen etc.

Äh entschuldige, wenn du unsensibel bist und dann noch gemeine Sachen sagst, jaaa, dann sag ich dir, dass ich das nicht gut finde. Dann sage ich dir, dass sowas gar nicht geht etc. Aktion führt Reaktion. Ernsthaft, was erwartet man da? Das ich mich freue, dass man mich so wunderbar behandelt?

Schön, wenn man sich mies verhält und dann nicht mal Verantwortung dafür übernimmt.

Selbst schuld, wenn man sich nicht zu Treffen bequemt

Dann durfte ich mir vorwerfen lassen, dass ich bei Gemeinschaftstreffen nie dabei wäre.

Ähm ja, ich bin krank, you know? Ich habe mich schon so oft dafür entschuldigt, wenn ich mal wieder nicht kommen konnte. Obwohl ich nicht mal was dafür konnte. Aber das macht man eben so. Man möchte ja nicht, dass sich die anderen schlecht fühlen. Und es tut einem ja leid, dass man nicht kommen kann. Und am Ende ist es für einen selbst immer am unschönsten, weil man leidet und zusätzlich alles schöne verpasst und selten bis nie dabei ist.

Ich bekam ja im Zweifel nicht mal eine Antwort auf meine Absagenachrichten. Geschweige denn ein nettes Wort wie „Gute Besserung“ o.ä. Wenn es hoch kommt durfte ich mich auf ein „Daumen hoch“ Zeichen freuen. Daumen hoch, im ernst? Daumen hoch, dass ich krank bin? Das ist nicht komme? Dass ich Absage? Was denn? Der Burner…Aber gut, über sowas reg ich mich ja nicht mal auf. Daran bin ich gewöhnt gewesen.

Aber wenn es einem zu schlecht geht, geht’s eben nicht. Aber dass ist natürlich was, was man mir vorwerfen kann. Wir erinnern uns, ich hab es mir ausgesucht.

Und natürlich war es völlig unbekannt, dass die Gründe dafür meine Erkrankungen waren…ich mochte sie einfach nicht… of course. Ist ja nicht so, dass wir schon tausend Mal darüber gesprochen hatten, wie schlecht es mir geht. Nein, ich war einfach bösartig. Aber natürlich, wenn man denkt, dass ich nicht gesund werden will und wahrscheinlich gar nicht so krank bin etc., dann kann man schon mal auf den Gedanken kommen, dass ich nur einfach nicht will. Ich will ja schließlich auch einfach nur nicht gesund werden. Fall abgeschlossen.

Ich wurde scheinbar ausgiebig beäugt

Und scheinbar war ich schon immer so schrecklich, dass man mich ausführlich beäugen musste, wenn ich bei Festen doch mal dabei war (was früher noch besser ging). Tatsächlich durfte ich mir anhören, dass ich ja oft nur ein bisschen gegessen hätte oder dass ich meine Laktosetabletten genommen hätte, obwohl es vielleicht nicht nötig gewesen wäre.

Entschuldige mal, wenn mir jemand sagt, er wäre sich nicht sicher, was drin ist, dann nehme ich die natürlich. Bevor ich mit schlimmsten Schmerzen den Nachmittag auf dem Klo verbringen darf, nehme ich sie lieber einmal zu viel.

Und auch wenn es unvorstellbar sein mag, mit chronisch Magendarm möchte man vielleicht manchmal kein ganzes Stück Torte haben, auch wenn sich der Gastgeber noch so viel Mühe gegeben hat (was ich immer honoriert habe!!!). Ich bin chronisch krank verdammt! Natürlich passe ich auf, was ich vertrage und wie. Dass ich über Jahre beobachtet wurde, wie oder was ich esse, ist unglaublich. Und dass ich mir das dann tatsächlich als meine Bösartigkeit vorwerfen lassen darf.

Andere haben dieselbe Krankheit

Aber dabei blieb es natürlich nicht. Es kam einer der Lieblingssätze jedes Chronikers: „Person XY hat auch Zöliakie, die kann alles machen“. „Ich kenne 3 Leute mit Schilddrüsenerkrankung, die normal leben“.

Wie schön für diese Leute. Halleluja, das sie nicht so leiden. Aber

  1. Jeder Mensch ist anders.
  2. Jeder Mensch hat eine andere Grundkonstitution. (unverschuldet!!!)
  3. Jeder Mensch hat andere zusätzliche Baustellen. Sei es nun Stress, Allergien, weitere Erkrankungen etc. Ich zum Beispiel habe mehrere Erkrankungen, ergo nicht nur 1 Sache, die mein Leben einschränkt. Wären es nur die Laktoseintoleranz oder die Glutensensitivität (die zum Glück besser ist, Darmaufbau sei dank!), wäre ich echt happy, denn diese Dinge sind es nicht die mein Leben so sehr einschränken.
  4. Jede Erkrankung ist bei jedem Menschen unterschiedlich. In Stärke, Ausprägung etc. Die einen nehmen täglich eine Tablette und haben keine Symptome und freuen sich ihres Lebens. Die anderen erleben die Hölle auf Erden.
  5. Und verdammt nochmal, keiner sucht sich das aus! Die, die so leiden, haben nur in der Krankenlotterie das große Los gezogen.

Wie kann man nur ernsthaft so daher reden. Da haben wir es wieder, selbst schuld! Du machst etwas falsch und deshalb ist es bei dir so schlimm! Mensch Miri, wann verstehst du das endlich, zzz.

Als ihr evakuiert wurdet ging es doch auch

Ja, ihr lest richtig. Wir wurden, ich glaube es war letztes Jahr, evakuiert, weil eine Bombe aus dem Krieg in der Nähe gefunden wurde und wir im Evakuierungskreis waren. Da besagte Person außerhalb von Bonn wohnt, sind wir damals (nach Rücksprache) mitsamt unseren 2 Katzen in einer Nacht- und Nebelaktion zu ihnen, denn es musste sehr schnell gehen.

Genau an dem Tag hatte ich natürlich wieder Kopfschmerzen und nachts dann eine höllische Migräne. Gleichzeitig konnte ich kaum schlafen, weil die Katzen aufgedreht waren, weil sie in einem fremden Zimmer mit mir „eingesperrt“ waren. Es war traumhaft für uns alle.

Bei unserem jetzigen Gespräch wurde mir dann ernsthaft vorgeworfen, dass es ja an diesem Tag für mich auch möglich gewesen wäre, zu ihnen zu kommen. Ja, da bleibt einem die Spucke weg. Absolute Notsituation. Ich hatte überhaupt keine Wahl Zuhause zu bleiben. Aber natürlich, das kann man mir natürlich vorwerfen, dass ich zu einem normalen Treffen nicht kommen kann, aber bei einer Evakuierung mein Haus verlasse. Böse, böse Miri.

Typischer Vorwurf: „dann und dann“ gings ja auch

Das ist so ein typischer Vorwurf, den sich chronisch Kranke anhören dürfen. Wenn sie dann doch mal können oder es ihnen sogar mal gut gehen sollte, wird daraus geschlossen, dass es ja immer so wäre und es sonst ja auch nicht so schlimm sein könnte. Das es Schwankungen in der Stärke der Symptome gibt, scheint manchen nicht in den Kopf zu wollen. Mal davon ab, dass viele Chroniker sich mit Beschwerden zu etwas zwingen, wo sich jeder andere heulend unter der Bettdecke verstecken würde (okay, das war jetzt überspitzt formuliert, aber ihr versteht schon.).

Wir halten verdammt viel aus und ziehen auch den einen oder anderen Spieleabend o.ä. mit Kopfschmerzen durch, weil wir nicht schon wieder absagen wollen. Weil wir auch mal am Leben teilhaben wollen und weil es schlichtweg einfach zu oft so ist. Dann könnten wir nie wieder etwas machen, wenn wir immer darauf warten würden, dass es uns richtig gut geht.

Aber nein, wenn es einmal irgendwie geht, dann muss es immer gehen. Ansonsten kann man uns das vorwerfen. Dann wollen wir es sonst immer einfach nicht genug.

Versteht doch bitte: wenn es mir mal gut geht, heißt das nicht, dass es immer so ist. Und damit heißt es auch nicht, wenn es mir mal gut geht und wir einen super tollen Tag verleben, dass es beim nächsten Mal wieder so sein muss. Und es hat rein gar nix mit euch zu tun, sondern nur mit unseren Erkrankungen, die wir uns nicht aussuchen.

Ich zerstöre andere – das ist meine Lieblingsbeschäftigung

Das schlimmste aber war die Aussage, dass ich das Leben meines Mannes kaputt machen würde. Sie würde das von einer anderen Person kennen. Da hätte der Mann das Leben der selbigen zerstört, weil diese nichts mehr machen durfte etc. Das würde sie dieser Person so übel nehmen. Und ich würde dasselbe mit meinem Mann machen.

Das hat mich verdammt verletzt, weil mein Mann das wichtigste auf der Welt für mich ist und ich niemals wollen würde, dass er leidet. Und ich es hasse, dass meine Erkrankungen auch auf ihn Einfluss haben.

Aber nochmal: ich habe es mir nicht ausgesucht! Und mein Mann entscheidet sich jeden Tag aufs Neue dafür, auch diesen Kampf mit mir durchzustehen. Ich halte ihn nicht in Ketten gefangen. Es steht ihm jederzeit frei zu gehen.

Und ich habe ihm schon verdammt oft gesagt, dass es okay wäre, wenn ihm das alles zu viel werden würde. Aber er möchte erstaunlicherweise immer noch mit mir Monster zusammen sein 😉 Außerdem ist er nicht so ein Mensch, der geht, wenn es mal schwierig wird. Er würde mich niemals hängen lassen. Und er liebt mich, mich schreckliche Person. Mich Monster, was ich doch bin, dass ich mir all dieses Grauen ausgesucht habe 😉

Mal davon ab, dass ich ebenfalls Gutes in die Beziehung einbringe und ihn ebenfalls so unterstütze, wie er mich. Immerhin ist eine Beziehung keine Einbahnstraße, sondern ein Geben und Nehmen.

Zudem kann mein Mann alles machen, was er möchte. Ich halte ihn nicht davon ab etwas zu tun. Würde er diese Dinge gerne mit mir machen? Natürlich! Aber wir haben hier leider kein Mitspracherecht. Chronische Erkrankungen sind gemein und einschränkend. Und niemand sucht sie sich aus!

Mensch Miri, reiß dich doch mal zusammen

Aber natürlich tut es mir furchtbar leid, dass ich mich nicht einfach mal zusammen reißen kann. Weiß doch jeder, dass das das A und O bei chronischen Erkrankungen ist. Nur wenn man es wirklich will und man sich zusammen reißt, dann geht’s einem gut. Das 1 x 1 des Lebens, of course.

Tja, aber so ist das Leben. Man hat das große Los gezogen und darf sich neben all den Symptomen auch mit solchen Menschen herumschlagen, die nicht hilfreich oder unterstützend sind, sondern einfach nur gemein. Man kann sich leider ganz schön in Menschen täuschen. Diese Person wäre die letzte gewesen, von der ich sowas erwartet hätte.

But, fairytale gone bad:„this is the end, you know…“ und „Ich wünsch dir noch ein geiles Leben, denn wie du dich veränderst, will ich mir nicht geben.“

So traurig es auch sein mag, solche Menschen brauche und möchte ich nicht in meinem Leben. Und mögen meine Tage auch noch so hart sein, ich lasse mir mein kleines Stück Lebensfreude nicht von solchen Menschen kaputt machen.

Ein Fazit oder so

Ich werde weiter dafür kämpfen, dass es mir besser gehen wird. Und ich werde weiter dafür kämpfen, dass die Menschen aufhören, Menschen mit chronischen Erkrankungen zu diskriminieren.

Am Ende müssen solche Menschen sich selbst im Spiegel anschauen. Und wenn sie nur ein kleines bisschen selbst reflektieren, werden sie merken, dass es verdammt viel mit ihnen selbst und verdammt wenig mit den anderen zu tun hat, was sie da von sich geben. Das hat ganz viel mit eigenen Unsicherheiten und Ängsten zu tun, die sich in die Gedanken einschleichen und sie vergiften.

Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Ich wünsche manchen Menschen nur, dass sie sich mal selbst begegnen. Bildquelle: healthyfeelings.de, erstellt mit canva.com
Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Ich wünsche manchen Menschen nur, dass sie sich mal selbst begegnen. Bildquelle: healthyfeelings.de, erstellt mit canva.com

Aber es ist nicht meine Aufgabe, ihnen das gut zu reden oder zu verzeihen (vor allem wenn ich nicht mal um Verzeihung gebeten werde).

Das Positive im Negativen finden

Ich versuche unterdessen in all der Trauer und Wut auch das Positive für mich mitzunehmen – so schwer es auch fällt. Aber ich bin stolz, dass ich für mich selbst eingestanden bin, denn früher wäre mir so etwas schwer gefallen.

Wie ich von meinem Mann als Rückmeldung erhalten habe, war ich auch eher fair und deeskalierend, obwohl ich mir diese Dinge anhören durfte.

Und ich war teilweise noch nett, als es um eine persönliche Geschichte ging, die eigentlich rein gar nix damit zu tun hatte. Denn ich bin kein fieser Mensch und im Gegensatz zu manch anderem kann ich mich in andere Menschen hineinversetzen. Bei dieser Geschichte, aber ebenfalls bei den anderen Dingen.

Ich kann tatsächlich nachvollziehen, dass es blöd sein kann, wenn ein Treffen abgesagt wird. Oder wenn man sich Mühe gibt und was backt und es gefühlt nicht so gewürdigt wird. Aber man muss vielleicht mal die Umstände mit einbeziehen und darf nicht aus eigener Unsicherheit alles auf sich selbst beziehen oder falsch interpretieren und verurteilen.

Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu

Deshalb vergesst bitte nicht, dass sich eine chronisch kranke Person ihr Leiden nicht ausgesucht hat und viel lieber mit euch feiern oder quatschen würde, als mit allerlei Symptomen Zuhause bleiben zu müssen. Niemand sucht sich seine Erkrankungen aus.

Und wenn ich euch um eins bitten dürfte, dann wäre es das, dass ihr das Mitgefühl nicht vergesst. Seid da für die, die eh schon leiden, anstatt es ihnen schwer zu machen. Fragt euch, was ihr euch in so einer Situation wünschen würdet und was ihr nicht hören wollen würdet. Vielleicht hilft das, um die anderen besser zu verstehen.

Musstest du dir auch schon mal solche Sachen anhören? Oder kennst du jemanden, dem sowas passiert ist? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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