Was, wenn dein Leben morgen schon vorbei ist? – Das Leben ist zu kurz für irgendwann

Viele von uns leben ihr Leben, indem sie im hier und jetzt viel arbeiten. Sich vielleicht quälen, um es sich später, wenn sie mal in Rente sind, gut gehen zu lassen. Wir verschieben damit das Schöne auf später. In der Annahme, dass wir das später auf jeden Fall noch erleben können.

Aber was, wenn dein Leben morgen schon vorbei ist? Dann hast du all deine Kraft und Energie in unliebsame Aufgaben gesteckt, deine Besitztümer angehäuft, nur für die optionale Zukunft, dann in Saus und Braus leben zu können.

Was du dafür eintauscht ist deine Lebenszeit, deine Zufriedenheit, vielleicht sogar deine Gesundheit.

Hierzu möchte ich dir gerne folgende Parabel vorstellen, die auf der „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ von Heinrich Böll basiert:

Der Fischer und der Manager

Ein Fischer fuhr jeden Tag mit seinem kleinen Fischerboot raus, fing zwei Fische für sich und seine Familie und kehrte am Mittag zurück. Den Rest des Tages verbrachte er mit seiner Familie. Sie aßen gemeinsam die Fische und entspannten am Strand.

Eines Tages kam ein Manager eines Unternehmens vorbei, der in dem Dorf des Fischers Urlaub machte. Er beobachtete den Fischer und fragte ihn irgendwann verwundert, wieso dieser jedes Mal nur mit zwei Fischen nach Hause käme, wo es doch sicher so viel mehr Fische zu fangen gäbe.

Der Fischer antwortete ihm, dass die Fische, die er fange völlig ausreichend seien, um seine Familie zu ernähren. Mehr bräuchten sie nicht zum Leben.

Der Manager entgegnete, dass er doch trotzdem mehr Fische fangen und die restlichen verkaufen könnte.

Als der Fischer ihn fragte, was er denn davon hätte, entgegnete der Manager „Du hättest mehr Geld. Und wenn du das Geld gut anlegst, kannst du dir irgendwann Mitarbeiter leisten.“

Der Fischer fragte dann verwundert, was er denn mit den Mitarbeitern machen solle. Der Manager antwortete: „Mit den Mitarbeitern könntest du noch mehr Fische fangen und verkaufen und dann noch mehr Geld verdienen. Du könntest sogar irgendwann eine eigene Fischfabrik eröffnen.“

„Und was habe ich dann davon?“ fragte der Fischer irritiert.

„Du würdest irgendwann so viel verdienen, dass du gar nicht mehr arbeiten müsstest. Wäre das nicht toll?“ antwortete der Manager begeistert.

„Wenn ich dann also nicht mehr arbeiten muss, kann ich dann machen, was ich will?“ fragte der Fischer. „Ja“, antwortete der Manager erfreut, dass der Fischer verstanden hatte, worauf er hinaus wollte. „Du musst nie wieder arbeiten und kannst tun und lassen was du willst“.

„Also könnte ich jeden Tag mit meinem Boot rausfahren, zwei Fische für meine Familie zum Essen fangen und dann den Rest des Tages mit ihnen verbringen?“ fragte der Fischer.

„Ja, genau das kannst du dann tun“, bestätigte ihm der Manager                                                                

Der Fischer schaute den Manager nachdenklich an und antwortete: „Aber genau das mache ich doch jetzt schon an jedem Tag“.

Und die Moral von der Geschicht

Die zwanghafte Suche nach mehr Ruhm und Reichtum bringt uns nicht unbedingt ans Ziel und zu dem, was wir eigentlich wirklich wollen. Warum also nicht jetzt schon das tun, was uns erfüllt? Anstatt es auf eine Zeit viel später zu verschieben, nur weil es klüger erscheint, uns erst einmal einen Haufen Taler anzuhäufen. Denn wenn du Pech hast, wirst du das „irgendwann später“ nicht mehr erleben und hast dein Leben damit verschwendet einer Arbeit nachzugehen, die dir keine Freude macht und um Geld anzuhäufen, das du niemals „genießen“ konntest. Zeit mit unseren Lieben und den Dingen, die uns erfüllen und sinnstiftend sind, ist doch die Währung, die wirklich zählt. Und mit all deinem Geld kannst du sie dir nicht kaufen, wenn du dabei damit beschäftigt bist, deinen Haufen an Talern noch größer zu machen – für irgendwann, wenn du deine Wünsche umsetzen möchtest.

Der arme Tropf, der niemals sein ENDLICH erreichte

So manch einen armen Tropf hat es dann bereits mit 50 erwischt, obwohl er doch plante mit 65 endlich zu Leben. ENDLICH! Endlich reisen, die Welt sehen. Viel Zeit mit der Frau und den Kindern und Enkelkindern verbringen. Endlich einmal eine Modelleisenbahn aufbauen. Und ehrenamtlich im Tierheim helfen, das wollte er auch schon lange einmal.

Stattdessen war er Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen, kam nie früher als um 21 Uhr nach Hause. Sah seine Frau und Kinder im Grunde nur am Wochenende, an dem er versuchte, sich einigermaßen von der Woche zu erholen. Aber auch da war die eine oder andere Pflicht zu erledigen. Immerhin blieb unter der Woche keine Zeit.

Und so träumte er sich Woche für Woche in die Zukunft, dann, wenn ENDLICH alles besser werden würde und er endlich das tun konnte, was er eigentlich gerne tun würde. ENDLICH Zeit für meine Lieben und Zeit für mich.

Aber das ENDLICH sollte niemals eintreten. Denn sein Leben war endlich.

Der Mensch opfert seine Gesundheit um Geld zu verdienen. Dalai Lama. Quelle: healthyfeelings.de, Bild und Schrift canva.com

Also, warum nicht einfach jetzt schon das tun, was dein Leben mit Leben füllt?

Also, warum nicht einfach jetzt schon das tun, was dein Leben mit Leben füllt? Was dich erfüllt?

Natürlich ist es schön Geld zu haben, da brauchen wir uns nichts vormachen. Man kann sich schöne Dinge kaufen. Mehr Reisen (wenn die Zeit da wäre). Man hat das Gefühl von mehr Sicherheit.

Aber ist es das Wert, dich über Gebühr zu strapazieren und dabei am Ende dein Leben zu verschwenden?

Möchtest du leben um zu arbeiten oder möchtest du arbeiten um zu leben?

Möchtest du lieber jetzt leben und dafür weniger besitzen oder möchtest du viel haben (und arbeiten) und weniger Leben?

Willst du weiter in einem Job und einem Leben verharren, das dich zum verzweifeln bringt? Einem Leben, dem du am liebsten entfliehen möchtest?

Völlige Erschöpfung. Zu viel Arbeit. Quelle: Lukas Bieri auf Pixabay

Arbeit und Verpflichtungen sind nötig, aber nicht um jeden Preis

Natürlich müssen wir arbeiten um unser Leben zu finanzieren. Und es ist sinnvoll, für den Notfall, ein kleines (oder größeres, je nach persönlichem Bedürfnis) Polster zu haben.

Auch Ziele sind etwas Schönes. Wenn es dich erfüllt, als Fischer am Ende eine große Fischfabrik zu haben, dann hast du etwas für dich sinnstiftendes gefunden.

Und natürlich kann nicht jeder Aspekt einer Arbeit immer Spaß machen. Das wäre unrealistisch. Aber wenn du einer Arbeit nachgehst, die dir Freude macht und dich nicht aussaugt. Einer Arbeit die nicht all deine Kraft und Energie in Anspruch nimmt, dann hast du so viel gewonnen. In diesem Fall wird nämlich die Arbeit selbst dein Leben bereichern und erfüllen. Und du wirst gleichzeitig genug Zeit für deine Lieben, deine Hobbys, dein Leben neben der Arbeit haben. Und dein Leben wird so dein Herz zum Klingen bringen.

Also sei mutig und mach dich auf die Suche nach dem, was dein Herz zum Singen bringt. Auf das, was dein Leben erfüllt. Denn das Leben ist zu kurz für irgendwann.

Lebe jetzt. Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Quelle: healthyfeelings.de, Schrift und Bild canva.com

Lebst du schon das Leben, das du wirklich leben möchtest? Wenn nicht, was könntest du tun, um es zu erreichen? Schreibe mir gerne in den Kommentaren.

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